Fusion: Fahrplan im vorgesehenen Rahmen

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Inzwischen heimisch im Zentrum der Macht innerhalb der VG Altenkirchen: Fred Jüngerich hat sich in seinem Büro eingelebt.

 

Altenkirchens Bürgermeister Fred Jüngerich blickt im Interview aufs erste Jahr seiner Amtszeit zurück und nennt noch zu realisierende Projekte

Altenkirchen. Ein Jahr zum Eingewöhnen als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen – das hat Fred Jüngerich mit Bravour absolviert. Am Ende der zweiten zwölf Monate steht für ihn (und nicht nur für ihn) der kommunalpolitische Meilenstein schlechthin auf der To-do-Liste: die Fusion der Verbandsgemeinden Altenkirchen und Flammersfeld am 1. Januar 2020. Wie Jüngerich den Beginn seiner Amtszeit erlebt hat, wie weit der Verschmelzungsprozess fortgeschritten ist und was in der VG Altenkirchen in ihrem letzten Lebensjahr noch so alles passiert, tut Jüngerich in einem Interview mit unserer Zeitung kund.

Das Jahr 2019 wird in der VG AK wahrscheinlich sehr stark von der Fusion zum 1. Januar 2020 mit der VG Flammersfeld beeinflusst. Wie viel Prozent der Arbeit bis zur Verschmelzung ist denn bereits erledigt?

In Prozenten lässt sich die Frage nur schwer beantworten. Eine kommunale Fusion besteht aus einem politischen und einem administrativen Teil. Der Prozess der politischen Umsetzung begann Ende 2016 mit der Aufnahme von Erstgesprächen, fand seinen Fortgang in der Unterzeichnung des Fusionsvertrages im April 2018 und wurde durch die Verabschiedung des Fusionsgesetzes im Oktober vorigen Jahres grundlegend zum Abschluss gebracht. Verwaltungsseitig stehen die Kolleginnen und Kollegen der beiden Rathäuser seit zwei Jahren in einem regen und konstruktiven Austausch. Hier geht es vorwiegend um organisatorische und rechtliche Themen, deren finale Entscheidungsfindung zum Teil deutlich über den 1. Januar 2020 hinausgehen wird.

Ist der „Fahrplan“ einigermaßen in der Reihe?

Ja, wir bewegen uns sowohl inhaltlich wie auch zeitlich im vorgesehenen Rahmen und werden in knapp einem Jahr gut aufgestellt starten können.

Welche wichtigen Dinge müssen bis zum 31. Dezember 2019 noch geklärt werden?

Die Organisationsstruktur der künftigen einheitlichen Verwaltung (Fachbereiche, Zuordnung von Sachgebieten) mit der damit einhergehenden personellen Besetzung gilt es, in naher Zukunft zu regeln. Darüber hinaus sind sowohl in rechtlicher, wie auch in technischer Hinsicht Angleichungen vorzunehmen, zum Beispiel im Bereich des Ortsrechts, wie Satzungen, Dienstanweisungen et cetera, bei der EDV, der Flächennutzungsplanung sowie hinsichtlich der Überarbeitung der Gebühren- und Beitragssätze der Verbandsgemeindewerke. Schlussendlich ist auch zu klären, in welchem Gebäude die einzelnen Fachbereiche künftig untergebracht sind.

Inwieweit sehen Sie die Bürger beider VGs denn mit der Fusion einverstanden?

Durch die Informationsveranstaltungen im Februar vergangenen Jahres, die von den Bürgerinnen und Bürgern gut besucht waren, haben wir meines Erachtens ein hohes Maß an Aufklärung erreicht. Zahlreichen Gesprächen auf regionalen Veranstaltungen entnehme ich, dass die breite Masse der Bevölkerung beider Verbandsgemeinden die positiven Aspekte der Fusion in den Vordergrund stellt. Hierzu zählen beispielsweise die in Aussicht gestellten Finanzhilfen des Landes, die letztlich infrastrukturell allen zu Gute kommen. Auch ist deutlich geworden, dass die Kreisumlagebelastung, insbesondere der autobahnnahen Ortsgemeinden, durch die innerkreisliche Fusion konstant und kalkulierbar bleibt. Von den Bürgerinnen und Bürgern besonders geschätzt wird auch, dass persönliche Angelegenheiten weiterhin im Rathaus in Flammersfeld erledigt werden können.

Ist nach wie vor Widerstand gegen die Fusion spürbar?

Ich spüre keinen Widerstand.

Wie soll der Zusammenschluss zur Stunde Null begangen werden?

Wir feiern zusammen Silvester (lacht). Nein, Spaß beiseite. Natürlich wird es im Jahr 2020 frühzeitig eine Personalversammlung geben, und auch das individuelle Gespräch ist wichtig!

Auf welche anderen Projekte wird die VG AK bis Jahresende auch noch ihr Augenmerk legen?

Der Verbandsgemeinderat Altenkirchen hat am 18. Dezember 2018 ein zukunftsweisendes Investitionsprogramm beschlossen, durch dessen Umsetzung die neue Verbandsgemeinde zusätzlich an Attraktivität gewinnt. Es beinhaltet in der kurzen Frist vor allem den Neubau der Schulsporthalle Weyerbusch und die Generalsanierungen der Kindertagesstätten Mehren und Gieleroth. Allein bei diesen drei Projekten reden wir über eine Investitionssumme von rund 3,6 Millionen Euro. Des Weiteren wird uns natürlich der Neubau des Hallenbades, dessen Planung derzeit läuft, intensiv beschäftigen.

Zu Ihrer persönlichen Situation: Wie bleibt Ihnen das erste Jahr Ihrer Amtszeit in Erinnerung?

2018 bleibt mir in sehr guter Erinnerung. Es war ein interessantes Jahr, geprägt von vielerlei Begegnungen und positiven Erlebnissen. Gleichermaßen boten sich mir einige Herausforderungen, denen ich mich gerne gestellt habe.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Meine Erwartungshaltung für das erste Jahr als Bürgermeister war realistisch geprägt. Durch meine lange Zeit im Rathaus waren mir die Zielsetzungen der Verbandsgemeinde Altenkirchen gut bekannt. Natürlich musste ich auch einige Hürden nehmen, dennoch ziehe ich ein durchweg positives Resümee.

Oder bereuen Sie gar Ihren Schritt, dieses Amt übernommen zu haben?

Keineswegs.

Sie kandidieren bei der Wahl am 26. Mai für den Posten des ersten Bürgermeisters der neuen Groß-VG: Rechnen Sie mit einem weiteren/mit weiteren Kandidaten?

Bis zum 8. April 2019 (Ende der Abgabefrist für Wahlvorschläge) können sich Kandidaten für das neue Bürgermeisteramt bewerben.

Wie bewerten Sie die Aussagen der CDU und SPD beider VGs, Sie bei der Wahl unterstützen zu wollen?

Ich freue mich sehr über das mir entgegengebrachte Vertrauen beider Fraktionen. Dies weiß ich zu schätzen. Ich werde, wie bereits im Jahr 2017, als unabhängiger Kandidat zu der Bürgermeisterwahl antreten, und hoffe, am 26. Mai auf das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zwischen Willroth und Helmeroth zählen zu können.

Was ist Ihr größer Wunsch für 2019?

Gesund zu bleiben!

Das Gespräch führte Volker Held

RZ Kreis Altenkirchen vom Samstag, 12. Januar 2019