Duo geht in die finale Runde

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Verbandsgemeinden Altenkirchen und Flammersfeld gehen am 1. Januar 2020 zusammen – Wie die Vorbereitungen ablaufen

Von unserem Redakteur Volker Held

Altenkirchen/Flammersfeld. Das letzte Jahr im selbst bestimmten Leben der Verbandsgemeinden Altenkirchen und Flammersfeld hat begonnen. Mit dem 1. Januar 2020 gehen beide eine freiwillige, mit angenehmen „Hochzeitsgeschenken“ aus Mainz forcierte Ehe ein. Das neue Gebilde, die VG Altenkirchen-Flammersfeld (inoffizieller Zusatz „Im Raiffeisenland“), wird weite Teile des Unterkreises des AK-Landes einnehmen, über 68 (!) Ortsgemeinden verfügen und rund 35 000 Einwohner haben. Für Otto Normalbürger ändert sich nicht viel bis gar nichts. Die beiden Rathäuser bleiben Servicestellen – mit welchem Zuschnitt und in welchem Ausmaß auch immer.

Hinter den Kulissen indes gibt es allerhand zu regeln, wie es im Fusionsvertrag beschrieben ist. Das beginnt beim Angleichen der Gebühren und Beiträge, wie und in welchem Umfang sie für Wasserver- und Abwasserentsorgung fällig werden (zehnjähriger Zeitraum für die Anpassung eingeräumt), geht über die Zusammenführung beider VG-Wehren und endet beim künftigen Personaltableau. Denn eines ist sicher: Solch ein Zusammenschluss wird sich auf jeden Fall – nicht unmittelbar, sondern mittel- und langfristig – auf die Zahl der Köpfe auswirken, die an beiden Standorten arbeiten. Das ist ja auch ein Grund, warum das Land seine Gebietskörperschaften neu strukturiert und auf diesem Weg schon weitere Pläne kundgetan hat. Zunächst aber bleiben fusionsbedingte Reduktionen der Man- beziehungsweise Womanpower aus.

Inwieweit die neue VG blüht und gedeiht, bleibt abzuwarten. Die beiden Verwaltungen werden zunächst einmal ihr Bestes tun, die Verschmelzung so reibungs- und geräuschlos wie möglich über die Bühne zu bringen. Dicke Bretter müssen sie möglicherweise bei Bürgern bohren, denen die Liaison zuwider ist, die den alten Zustand gerne auf unbestimmte Dauer aufrecht erhalten hätten. Fakt ist und das sei den Gegnern noch einmal dargelegt: Es geht nicht darum, dass sich Altenkirchen Flammersfeld bemächtigt, dass die Große die Kleine unterbuttert. „Es ist ein Bündnis auf Augenhöhe“, wurde schon von vielen Rednern betont. Und das dieser Grundsatz gelebt wird, hat das zurückliegende Jahr gezeigt. Gegenseitige Besuche schufen bereits neue Kontakte, nahmen die Furcht, dass Altenkirchen seinen Willen Flammersfeld mit aller Gewalt überstülpen will. Selbst Flammersfelds Alt-Bürgermeister Josef Zolk (CDU) bestätigte, dass sich Altenkirchen – allen voran Bürgermeister Fred Jüngerich – in dem gesamten Prozess sehr fair verhalten habe. Deswegen sprachen sich die Christdemokraten wie auch die lokalen Genossen zwischen Willroth und Helmeroth bereits dafür aus, Jüngerich, der für das Amt des Chefs der neuen Groß-VG bei der Wahl am 26. Mai 2019 kandidiert, zu unterstützen und keinen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Ob weitere Bewerber auf den Plan treten, sei dahingestellt.

An der kommunalen Basis betrug die Zustimmung zur Fusion jedenfalls stolze 97 Prozent. Die Hürde, dass pro Verbandsgemeinde mindestens 50 Prozent der Ortsgemeinden (die wiederum mindestens 50 Prozent der Einwohner abbilden mussten) jeweils ihr Okay geben mussten, war flugs erreicht. Lediglich zwei versagten die Gefolgschaft. So hoffen die Verantwortlichen, dass der 13. April (Freitag), an dem der Bund fürs Leben im Standesamt Altenkirchen geschlossen wurde, sich nicht als böses Omen erweist. Jüngerich und dem Ersten Beigeordneten der VG Flammersfeld, Rolf Schmidt-Markoski, in Vertretung von Jüngerichs damals erkranktem Pendant Ottmar Fuchs, machte die irrationale Furcht ob der ominösen Kombination aus Zahl und Wochentag jedenfalls nichts aus. Sie unterzeichneten froh gelaunt im Trauzimmer (wie passend) das umfangreiche Schriftstück.

„Das ist für beide Verbandsgemeinden ein kommunalpolitisch historisches Ereignis. Es ist schön, dass wir diesen Prozess zum Abschluss gebracht haben. In ein paar Jahren können wir sagen, dass wir dabei waren. Es hat Spaß gemacht“, sagte Jüngerich im Beisein der beiden Lenkungsgruppen sowie der beiden Büroleiter, Sonja Hackbeil und Eugen Schmidt. Schließlich machte der rheinland-pfälzische Landtag den Deckel drauf: Er verabschiedete Mitte September in Mainz einstimmig die notwendigen Gesetze.

In den kommenden Monaten wird die Verschmelzung weiter vorangetrieben. Zu 100 Prozent wird sie nicht am 1. Januar des kommenden Jahres vollzogen sein. Geklärt ist bis zum Stichtag aber gewiss, an welcher dann ehemaligen Grenze Delegationen von hüben wie drüben mit einem Feuerwerk und Schampus auf die Geburt anstoßen. Prosit, Du neuer Erdenbürger!

RZ Kreis Altenkirchen vom Freitag, 4. Januar 2019, Volker Held