Fusion ist Schwerpunkt seiner Arbeit

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Interview Fred Jüngerich äußert sich zu Zielen und Erwartungen – Amtszeit beginnt am 1. Januar

Altenkirchen. Die Tage sind gezählt, bis Fred Jüngerich neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen ist: Seine Amtszeit beginnt am 1. Januar. Und am 1. Januar 2020 sollen die Verbandsgemeinden Altenkirchen und Flammersfeld zu einer verschmelzen. So wundert es nicht, dass die Fusion Hauptschwerpunkt seiner Arbeit in den kommenden 24 Monaten wird, wie er in einem Interview mit unserer Zeitung erklärte.

Sie übernehmen am 1. Januar offiziell den Posten des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Altenkirchen: Was haben Sie sich für die ersten Tage in Ihrer neuen Position vorgenommen?

Auf jeden Fall werde ich zunächst einmal durch die Büros gehen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rathauses ein gutes neues Jahr wünschen. Es gibt bereits in der ersten Januarwoche einige Besprechungstermine im Rathaus sowie ein 25-jähriges Dienstjubiläum einer Mitarbeiterin, zu dem ich eine Dankurkunde aushändigen darf. Verschiedentlich gibt es Abendtermine.

Werden Sie jeder Ortsgemeinde in der VG auch einen Antrittsbesuch abstatten?

Natürlich möchte ich jeder Ortsgemeinde einen Besuch abstatten. Am besten eignet sich hierfür eine Ortsgemeinderatssitzung. Die Krux an der Geschichte ist, dass wir, inklusive der Stadt, 42 Ortsgemeinden haben. Das ist ein sportliches Ziel, wenn man sich selbst eine Zeitvorgabe gibt. Ich gebe auf jeden Fall mein Bestes, dieses Ziel so zeitnah wie möglich zu erreichen.

Wie viele Tage wird Ihre selbst definierte Einarbeitungszeit umfassen?

Die Einarbeitungszeit lässt sich nicht in Tagen definieren. Ich bin durch meine bisherige Tätigkeit als Büroleiter mit vielen Sachthemen vertraut, die für unsere Verbandsgemeinde aktuell und künftig von Bedeutung sind. Ich muss diese nun partiell aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Ebenso kenne ich aus meinem früheren Job die Ratsarbeit, bloß nicht als Vorsitzender der Gremien. Neuland ist natürlich der repräsentative Part meiner neuen Aufgabe. Ich hatte aber bereits auch in den Wochen nach der Stichwahl den ein oder anderen öffentlichen Auftritt.

Werden Sie in einer Art Personalversammlung Ihre Wünsche und Ziele Ihren Mitarbeitern unterbreiten?

Wir haben Ende Januar die jährliche Personalversammlung in der Stadthalle. Neben dem Bericht des Personalrats gibt es auch immer einen Bericht der Dienststellenleitung. Diesen haben in der Vergangenheit immer der Bürgermeister und der Büroleiter im jährlichen Wechsel vorgetragen. So werden wir das auch weiterhin praktizieren. Den genauen Ablauf dieser Versammlung werde ich in Kürze mit der neuen Büroleiterin Sonja Hackbeil und unserem Personalratsvorsitzenden Mathias Rabsch besprechen. Auf jeden Fall werde ich zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen, um Ihnen meine Gedanken darzulegen, denn hierauf haben sie ein Recht. Ich möchte aber auch – falls vorhanden – eventuelle Ängste nehmen, die zum Beispiel wegen der anstehenden Fusion entstanden sein könnten.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit in den kommenden beiden Jahren?

Ein Hauptschwerpunkt ist natürlich die Fusion mit der Verbandsgemeinde Flammerfeld. Hier war ich in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits sehr gefragt und werde es auch weiterhin sein. Eine Aufgabe, die mir übrigens große Freude bereitet. Wie bei der Fusion, sind auch in anderen Bereichen bereits Weichenstellungen erfolgt, insbesondere bei unseren investiven Aufgaben. Der Bau des neuen Hallenbads, der neuen Sporthalle in Weyerbusch und die fortwährende Sanierung unserer Kindertagesstätten stehen an. Darüber hinaus sind die ärztliche Versorgung (Fortschreibung der lokalen Zukunftswerkstätten) und der kontinuierliche DSL-Ausbau ein Thema.

Werden Sie in Anbetracht der anstehenden Fusion der beiden Verbandsgemeinden den Kontakt zu Ihrem Bürgermeister-Kollegen im Flammersfelder Rathaus verstärken?

Mein Kollege Ottmar Fuchs und ich haben ein sehr gutes Verhältnis, und wir haben gemeinsam mit meinem früheren Büroleiterkollegen Eugen Schmidt in Sachen „Fusion“ sehr gut harmoniert. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit den politischen Vertretern der VG Flammersfeld, die ich bislang kennenlernen durfte. Wir werden den ergebnisorientierten Weg, den wir bis heute beschritten haben, genauso weitergehen.

Inwieweit werden Sie strukturelle Änderungen im Arbeitsablauf des Rathauses vornehmen?

Die Aufbau- und Ablauforganisation des Rathauses ist gut und hat sich nach einigen Modifikationen über lange Jahre bewährt. Ich beabsichtige nicht, alles „auf links zu drehen“. Derzeit macht sich eine Arbeitsgruppe, der ich auch angehöre, Gedanken darüber, ob die Anzahl der Fachbereiche/Abteilungen und deren inhaltliche Ausgestaltung (Zuständigkeiten usw.) noch zeitgemäß ist. Ich habe insoweit meine Vorstellungen, bei deren Umsetzung aber das neue, größere Gebietskonstrukt Altenkirchen-Flammersfeld zu berücksichtigen ist.

Werden Sie gemeinsam mit den politischen Gremien die maßvolle Ausgabenpolitik fortsetzen?

Die Aufgaben- und Ausgabenpolitik der handelnden Akteure in der VG Altenkirchen war immer durch Effizienz und Weitsicht geprägt. Das heißt, bei der Weiterentwicklung unserer Infrastruktur (Kindertagesstätten, Schulen, Sportstätten usw.) wurde das Notwendige getan, ohne den Haushalt mit irgendwelchem „Schnickschnack“ zu belasten. Ein Paradebeispiel ist aktuell die Grundsatzentscheidung zum Neubau des Hallenbads auf der Glockenspitze. Es wird als Schul- und Sportbad errichtet. Es wird sich nicht durch eine Vergnügungs- und Saunalandschaft auszeichnen, die Millionen an Zusatzkosten im Bau und im späteren Betrieb verursachen würde. Sämtliche Investitionskredite sind auf Grundlage der derzeit niedrigen Zinssätze endfinanziert. Diese Strategie werden wir auch beibehalten. Da sind sich die Fraktionen im Rat einig.

Wie gut (oder schlecht) ist die VG Altenkirchen nach Ihrer Einschätzung bei harten und weichen Standortfaktoren derzeit aufgestellt?

Die VG Altenkirchen hat infrastrukturell einiges zu bieten. Wir führen ein Topangebot in unseren zwölf Kindertagesstätten, und die schulische Landschaft ist ausgewogen. Es gibt drei Kunstrasenplätze in der Verbandsgemeinde; die Vierfachsporthalle auf der Glockenspitze wurde vor rund sieben Jahren grundlegend saniert. Gemeinsam mit dem Haus Felsenkeller und weiteren Anbietern, zum Beispiel der Kleinkunst, wartet die VG Altenkirchen mit einem ansprechenden Kulturangebot auf. Der DSL-Ausbau ist auf stetigem Vormarsch innerhalb des Kreisclusters. Wir müssen uns also, was diese „weichen Standortfaktoren“ angeht, nicht verstecken. Hinsichtlich der messbaren, sogenannten „harten Standortfaktoren“, zum Beispiel der Realsteuerhebesätze oder der Gebühren- und Beitragssätze für Wasser und Abwasser, haben unsere Ortsgemeinden, die Stadt und unsere Verbandsgemeindewerke ihre Hausaufgaben gemacht.

Sie ziehen auf dem Flur der ersten Etage im Rathaus nur „ein paar Türen“ um: Was werden Sie im Büro des Bürgermeisters ändern?

Mein Vorgänger Heijo Höfer hat dieser Tage noch einige zu seinem Privatbesitz gehörende Bilder abgehängt. Daher könnten die Wände einen neuen Anstrich vertragen. Ansonsten gibt das Bürgermeisterbüro keinen Anlass für Änderungen.

Wer folgt auf Margit Amthauer, die langjährige Vorzimmerdame Ihres Vorgängers Heijo Höfer, die in den Ruhestand tritt?

Die Besetzung eines Vorzimmers hat neben qualitativen Fähigkeiten auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Als die Stelle im Vorzimmer der Büroleitung 2014 neu zu besetzen war, habe ich mit Barbara Bauer einen „guten Fang“ gemacht. Frau Bauer und ich ziehen daher gemeinsam ein paar Zimmer weiter.

Wie lautet das Motto, unter das Sie Ihre künftige Arbeit stellen?

Die politische Arbeit in unseren Gremien ist durch das sogenannte „Altenkirchener Modell“ geprägt, das es bereits zu Karlheinz Klöckners Zeiten gab. Das bedeutet, dass die Entscheidungsfindungen von gegenseitiger Wertschätzung und gleichlautendem Informationsaustausch geprägt sind. Ein kommunalpolitisches Meinungsbild ist dann brauchbar, wenn es konstruktiv und umsetzbar ist sowie – selbstverständlich – die demokratischen Grundwerte unserer Verfassung beachtet. Wenn dies gewährleistet ist, spielt die politische Farbe keine Rolle.

 

Das Interview führte Volker Held

Quelle: RZ Kreis Altenkirchen vom Donnerstag, 28. Dezember 2017